Ungeniert, zynisch und wütend deckt Naomi Klein in ihren akrybischen Recherchen die Machenschaften der multinationalen Konzerne wie Nike, Adidas, Coca Cola, Tommy Hilfiger & Co. auf, um uns die nackte brutale Wahrheit auf dem Teller zu präsentieren. Auf der Jagd nach Coolness und den Trends von Morgen senden die mächtigsten und angesagtesten Labels (z.B. H&M) täglich hunderte von Trendscouts in die Welt hinaus, um die Coolness einzufangen und zu kommerzialisieren.
Trends sind immer ein Spiegelbild der Gesellschaft, in der sie entstehen. Ein Trend geht stets einher mit den wirtschaftlichen und soziokulturellen Veränderungen einer Gesellschaft oder einer ganzen Generation. Er rekonstruiert sich selbst immer wieder im neuen Kontext, um das ‘Überraschende’ und ‘Neue’ beim Adopter (dem Empfänger einer Botschaft, der sie annimmt und für sich sozialisiert) zu bewirken. Trends sind in allen Bereichen wie Gesundheit, Sport, Musik, Mode, Kultur, Umwelt, etc. vorzufinden. Vor diesem Hintergrund lauert die Gefahr des ‘Branding Overload’ in allen Bereichen unseres Lebens – bis in die unscheinbarsten Ecken.
Mehr denn je wird in Amerika das Leben bestimmt von Marken und Logos, sogar bis tief in die Klassenzimmer mit unmanipulierbaren Screendisplays als Werbespotträger. Hier in Deutschland herrscht zwar noch per Gesetz die werbefreie Zone in den Schulen und anderen Bildungseinrichtungen, die ersten Anzeichen der Liberalisierung für den Kapitalismus sind jedoch unverkennbar. In Berlin und Hamburg machen sich die Sparkassen seit Jahren an den Universitäten breit, dagegen wehren tut sich bis anno dato seltsamerweise niemand.
Wenn wir heute nicht bewusst darüber nachdenken, was wir kaufen, werden unsere Kinder morgen über den Campus laufen, um die Speisekarte von Adobe zu studieren, die O2-Arena als Lesesaal zu nutzen, oder Nike Town als Platz zum Daten vorschlagen.
Naomi Klein gibt in ihrem Buch erste Denkansätze darüber, wie wir uns wehren können. Eine ultimative Lösung gibt es hierfür – wie alles im Leben – jedoch nicht.
